ABSCHIED 

Begrüßungen mit "Guten Tag, Grüß Gott, Grüezi, Hallo, Bonjour, Bonjourno, ..." leiten
das Zusammenkommen von Menschen ein. Damit wird ihr Bedürfnis erfüllt, in einer Gemeinschaft zu leben, sich wohlzufühlen und eine gute gemeinsame Zeit zu verbringen.  

Verabschiedungen mit "Auf Wiedersehen, Ade, Uff wiederluaga, Byebye, Au revoir, 
Arrividerci, ..." leiten
 Trennung und Abschied ein. 
Wenn wir zusammenkommen, wissen wir schon, dass wir irgendwann einmal auch wieder 
auseinander gehen; so gehört beides unzertrennlich zusammen. 

Bei den meisten Abschieden ist der Ausblick oftmals "Auf (ein) Wiedersehen!" da.
Wir müssen uns aber auch immer wieder von etwas endgültig trennen. Das ist ein 
"Nicht mehr Wiedersehen", der endgültige Abschied, bei dem wir auf etwas 
unwiederbringlich verzichten, loslassen müssen. 
Wie leicht oder schwer uns das fällt, hängt davon ab, wie liebgewonnen man jemand 
oder etwas hat, wie vertraut er/es für uns war, wie gut er/es uns getan hat. 


DER ABSCHIED VON EINEM KIND

In einer Traueranzeige von einem verstorbenen Kind habe ich diese Zeilen gefunden: 

     Manchmal verlässt und ein Kind, das den Ruf von drüben stärker vernommen hat, 
     als die Stimme ins Leben.
 Es schließt seine Augen und taumelt davon wie ein
     Schmetterling, taumelt zurück ins Licht. 
Lässt uns allein mit den Fragen, ohne
     Antwort über den Sinn all des Begonnenen, 
das uns vollendet erscheint.
     Lässt uns zurück mit der Hoffnung, die sich nicht erfüllte, einer Knospe,
     die welkte, ohne je zu blühen.
 
     Aus unserem Leben bist du gegangen, 
in unseren Herzen wirst du ewig bleiben.
     Wir lieben dich und werden dich nie vergessen. 


Traueranzeigen ziehen mich nach Lisann's Tod magisch an. Es ist meine Suche nach 
etwas Tröstlichem, wenn auch andere Menschen allzufrüh gestorben sind. 
Es ist aber
auch die Gewissheit, mit diesem Schicksal nicht allein auf der Welt zu sein, es ist
das "geteilte Leid".

Irgendwann habe ich damit begonnen, Text, Sprüche und Zitate aus Todesanzeigen
in einem Dokument zu sammeln
die mir gefallen oder einfach nur gut getan haben.

                Sammlung_Trauersprüche.docx
     
     Wenn wir den Körper ablegen, 
werden wir frei sein von Schmerzen, Angst
     und allem Kummer - frei sein, wie ein bunter, schöner Schmetterling -
     dürfen heimkehren zu Gott.
        Elisabeth Kübler-Ross

                        Bild_Uebergang__Dunkelheit.jpg

Lisanns Bild, das sie mit Ihrer Maltherapeutin gezeichnet hat, kündet den Abschied an.
 


TRAUER

Trauer sind Schmerzen, Stiche mitten ins Herz, der Ring um die Brust, ein flacher Atem.
Trauer ist Verzweiflung, Ohnmacht, manchmal auch Wut und Enttäuschung.
Trauer kann - rational betrachtet - auch etwas anderes sein.

     Trauer ist Dankbarkeit, für die Zeit, die wir mit dir verbringen konnten.
   
Trauer ist Liebe, Liebe die nie vergeht.
   
Trauer ist Erinnerung, an eine schöne Zeit mir dir.

     Trauer ist Sehnsucht, dich in den Arm zu nehmen.
     Trauer kennt keine Zeit.

Trauer ist mehr als der "Schmerz der Traurigkeit"; sie  ist immer 
Wertschätzung.
Während in einer Depression alles wert- und sinnlos erscheint bis dahin,
dass
weder Freude noch Trauer empfunden werden können und
Gefühllosigkeit zur
Lebensmüdigkeit wird.

Die Traurigkeit ist keine Krankheit wie die Depression, sondern eine Gefühlskraft
des 
Menschen, der mit ihr so etwas wie eine Katharsis, eine Reinigung seiner Seele
von all
den meinst kleinlichen Kümmernissen des Lebens erfahren kann.

                        Kerzen_+_Nacht.JPG


STERBEN

Der Tod ist die endgültigste Form des Abschiednehmens in menschlichen
Gemeinschaften, e
in schon mit der Geburt feststehender Teil unseres Lebens.

Im Verlauf des Lebens gibt es aber auch die "kleinen Tode", die Abschiede auf Zeit
oder
für immer. So lernen Kinder, sich von kaputten Spielsachen zu trennen, ein lieb
gewonnener
Nachbar zieht weg, wir ziehen selbst um, wechseln die Arbeitsstelle,
der Kreis unserer
Bekannten und Freunde ändert sich ...

Wir müssen lernen, "Tode" anzunehmen, nur dann finden wir einen Weg zu uns selbst,
der uns hilft, den Weg zu gehen, den wir gehen müssen. So gelingt es uns, ihn auch so
zu gestalten, dass wir am Ende sagen können "Ich habe mein Leben gelebt."

     Mit dem Tod verlieren wir vieles, aber niemals die Zeit mit dir.

Danke, Lisann, dass du 13 1/2 Jahre bei uns warst und nun in unseren Herzen weiterlebst.

     Den eigenen Tod stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.
        Mascha Kaléko, Lyrikerin

Wir vermissen dich so sehr. Dein Platz in der Familie ist nun in Gedanken und mit Bildern von dir besetzt.

     Für eine Mutter, einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft.
     Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit.

        Berthold Auerbach


Die Ewigkeit des Lebens in Erinnerungen hat Khalil Gibran in dieses Gedicht gefasst:

     Wenn dir jemand erzählt, dass die Seele mit dem Körper zusammen stirbt
     und dass das, 
was einmal tot ist, für immer tot ist, so sage ihm:
     Die Blumen verwelken und sterben, aber der Same bleibt zurück und liegt
     vor uns geheimnisvoll, 
wie die Ewigkeit des Lebens.
 
Und die Sängerin Tina Turner hat dies, inspiriert von Deepak Chopra und Rumi,
in einem ihrer Lieder so zum Ausdruck gebracht:

     Nichts dauert ewig, niemand lebt für immer.
     Die Blume welkt und stirbt, der Winter vergeht und der Frühling.
     Umarme den Kreislauf des Lebens: Das ist die größte Liebe.


                        Sonnenuntergang_mit_Gras.JPG


VOM KOMMEN UND  GEHEN

Einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters, Leonardo da Pisa, auch
Fibonacci genannt, beschreibt das "Kommen und Gehen" auf unserer Welt so:

     Eine Generation geht und eine neue Generation kommt,
     doch die Erde bleibt für immer beständig. 
     Auch die Sonne geht auf und geht wieder unter, aber nur,
     um erneut an die Stelle zu eilen, von wo sie aufstieg.
     Der Wind zieht in Richtung Süden und dreht zurück nach Norden;
     er wirbelt ständig herum und bewegt sich doch entsprechend seinem Kreislauf.
     Alle Flüsse fließen in des Meer und doch wird das Meer nicht voll;
     denn zu den Quellen, woher die Flüsse kommen, dorthin kehren sie wieder zurück ...

     Etwas, was gemessen ist, wurde zu dem, was es sein sollte;
     und das, was getan wurde, ist das, was getan werden sollte;
     und es gibt nichts Neues unter der Sonne.

In all diesem Kommen und Gehen, zwischen Vergangenheit und Zukunft gibt es nur das
Eine - das Hier und Jetzt. In ihm gilt es zu leben. Speziell die Sorgen sind es, die uns zu
schaffen machen. Ich versuche, nach diesem von mir formulierten Motto zu leben:

     Mache dir nicht mit den Sorgen von morgen das Glück von heute kaputt.
       Joachim Wurster

   
DIE ZEIT HEILT ALLE WUNDEN

... so heißt es im Volksmund, doch wir haben diese Zeit noch nicht gefunden.
Ich bezweifle auch, dass solche Wunden, wie der Abschied von einem Kind,
jemals heilen werden.
Es ist wie mit einer Behinderung, die als Folge einer Verwundung entstanden ist.
Sie schränkt uns im Leben ein: Das befreite Lachen fällt schwer, das unbeschwerte
Glück gibt es nicht mehr, der Rucksack ist voll beladen.
Mein Motto ist deshalb, die vielen kleinen Glücksmomente zu sammeln und anzuhäufen,
dass es wieder einen ganz ordentliches Häufchen wird. :o)


     Die Welt ist voll von kleinen Freuden, die Kunst besteht nur darin,
     sie zu sehen, 
ein Auge dafür zu haben.
        Li Tai Phe


TROST FINDEN

... können wir nur in uns selbst. Jeder Abschied schickt uns auf eine neue Reise
in uns selbst. Es gibt "Techniken der inneren Programmierung", die verstandesmäßig
funktionieren. Bei unseren Emotionen sind sie wirkungslos. Dennoch ist es gut, immer
wieder an die Momente zu denken, die uns damals ein Lachen beschert haben und es
heute noch tun.

     Weinet nicht, weil es vorbei ist, lacht, weil es schön war.

Die innere Einstellung zu etwas macht es aus, was wir sind und was wir werden.
Sie wird in ihrer Basis von unserer genetischen und erzieherischen Prägung geformt
und im Hier und Jetzt von unseren Gedanken, die wir zulassen.

     Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
     Ich bin ich, ihr seid ihr.

     Das, was ich für dich war, bin ich immer noch.

     Gib mir den Namen, 
den du mir immer gegeben hast.
     Sprich mit mir, wie du es immer getan hast.

     Gebrauche nicht eine andere Lebensweise.

     Sei nicht feierlich oder traurig.

     Lache weiterhin über das, 
worüber wir gemeinsam gelacht haben.
     Ich bin nicht weit weg, 
ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.

        Fritz Reuter (1810 - 1874)

                        Bluete_und_Nacht.jpg


DANKBARKEIT

     Dankbar zu sein gibt dem Abschied einen goldenen Glanz.

Dankbarkeit für etwas, was mal war, kann die Trauer mildern, mehr aber nicht.
Sie entsteht nicht mit der ewig offenen Frage nach dem "Warum?", nicht in die
Suche
nach dem, was man hätte tun sollen oder was man versäumt hat.
Sie wächst in einem bewussten Rückblick
auf die guten, schönen Zeiten und
Erlebnisse, 
die uns niemand mehr nehmen kann.
Und sie erwächst aus dem dankbaren, erfüllten Loslassen und dem in sich selbst
geklärten
Verzeihen alles Unguten, aller Verletzungen.
Und dann ist da noch das Loslassen in Dankbarkeit für das Gewesene, wenn es keine
Fortsetzung mehr geben kann.

Ich bin dankbar 
... für die Steuern, die ich zahle, weil das bedeutet: ich habe Arbeit und Einkommen.
... für die Hose, die ein wenig zu eng sitzt, weil das bedeutet: Ich habe genug zu essen.
... für das Durcheinander nach der Feier, das ich aufräumen muss, weil das bedeutet:
   Ich war von lieben Menschen umgeben.
... für den Rasen, der gemäht, die Fenster, die geputzt werden müssen, weil es bedeutet:
   Ich habe einen Zuhause.
... für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet:
   Wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung.
... für die Parklücke ganz hinten in der äußersten Ecke des Parkplatzes, weil das bedeutet:
   Ich kann mir ein Auto leisten.
... für die Frau in der Gemeinde, die hinter mir sitzt und falsch sind, weil das bedeutet,
   dass ich gut hören kann.
... für die Wäsche und den Bügelberg, weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe.
... für die Müdigkeit und die schmerzenden Muskeln am Ende des Tages, weil das          
   bedeutet: Ich bin fähig hart zu arbeiten.
... für den Wecker, der morgens klingelt, weil das bedeutet: Mir wird heute ein neuer
   Tag geschenkt.
Wofür bist du dankbar?

Detlef Kranzmann, gefunden im Freundesbrief der Schwäbischen Bauernschule Bad Waldsee

                        Stausee.JPG


WAS HILFT?

Wir müssen mit der Traurigkeit "leben lernen", die uns befällt, wenn jemand Vertrautes,
den wir lieben, uns verlässt. So einfach das klingt, so schwer ist es in der Umsetzung.
Jeder Abschied kann ein Anfang sein. Das zu erkennen und damit umgehen, das kann
man lernen!
  
Zudem stelle mir immer wieder die Frage Was ist das Gute am Schlechten?
Darüber hinaus helfen weitere Fragen, wie diese:
- Was kann ich rückblickend Positives daran entdecken?
- Was könnte ich aus der Situation für mich lernen?
- Was kann ich jetzt tun, was ich sonst vielleicht nie tun würde bzw. nie getan hätte?
- Wie könnte mein zukünftiger Lebensweg aussehen, was ich bisher nicht für möglich
   gehalten hätte?

- Wenn ein mir nahestehender Mensch auf meine Situation blicken würde, was würde
   er Positives  entdecken können?

- Welche Möglichkeiten bietet mir "das Gute am Schlechten"?
Die Antwort gibt mir das weitere Tun im Sinne von Lisann und im Sammeln von Spenden.
Daran kann ich mich ausrichten, in der Spur bleiben, wenn ich strauchle und mich aufrichten,
wenn ich falle.
   

Und dann gibt es ja auch noch die Hoffnung, die ja zuletzt stirbt.
Wir dürfen berechtigt hoffen und wünschen, dass uns das Leben wieder etwas Gutes
tut -
 und wenn es nur "dem Sinnlosen einen (nachträglichen) Sinn gibt".

     Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
     sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

                     Eine_Geschichte_von_der_Traurigkeit.pdf         

Zu guter Letzt müssen wir uns immer wieder bewusst machen, dass die Welt, in der
wir leben täglich genügend Gutes und Schönes bereit hält, wir müssen es nur erkennen,
wahrnehmen unter all den vielen Eindrücken und negativen Ablenkungen. Deshalb 
immer Augen und Ohren auf, damit du das Gute und Schöne dieser Welt erkennst!

                    The world is music for those who listen.
                                 Von unserer Neuseeland-Reise Januar 2010