Abschied und Trauer

               Wenn wir den Körper ablegen
               werden wir frei sein
               von Schmerzen, Angst
               und allem Kummer
               - frei sein, wie ein bunter, schöner Schmetterling -
               dürfen heimkehren zu Gott.
                   Elisabeth Kübler-Ross

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   "Hallo, Guten Tag, Grüß Gott, Grüezi, Bonjour, Bonjourno, ..." sind das Gegenteil
   von Abschied, sie handeln vom Zusammenkommen, von der Begegnung. Damit
   kommt das Urbedürfnis von uns Menschen zum Ausdruck, in einer Gemeinschaft
   zu leben, in der man sich wohlfühlt, dort immer wieder zusammen zu kommen und
   eine gute gemeinsame Zeit zu verbringen. 


   "Auf Wiedersehen,
Ade, Uff wiederluaga, Byebye, Au revoir, Arrividerci, ..."
sind
   Abschiedsworte, wie sie in vielen Sprachen der Erde vorkommen. Sie zeigen uns,
   dass Trennung und Abschied überall ihren Platz haben. Wenn wir zusammenkommen,
   müssen wir irgendwann einmal auch wieder auseinander gehen; so gehört beides
   zusammen. Wir müssen uns immer wieder von etwas trennen - loslassen.

   Abschied heißt oftmals "Auf Wiedersehen!"; dann ist die Freude beim gesunden
   Zusammenkommen groß. 
   Aber es gibt auch ein "Nicht-mehr-Wiedersehen", der endgültige Abschied. Das ist
   dann ein Abschied, bei dem wir auf etwas unwiederbringlich verzichten müssen.
   Wie leicht oder schwer uns das fällt, hängt immer davon ab, wie liebgewonnen
   man jemand bzw. etwas hat.

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   Trauer

   Trauer sind Schmerzen, Stiche mitten ins Herz, der Ring um die Brust, ein flacher Atem.
   Trauer ist Verzweiflung, Ohnmacht, manchmal auch Wut und Enttäuschung.
   Trauer kann - rational betrachtet - auch etwas anderes sein.

               Trauer ist Dankbarkeit,
               für die zeit, die wir mit dir verbringen konnten.
               Trauer ist Liebe, Liebe die nie vergeht.
               Trauer ist Erinnerung,
               an eine schöne Zeit mir dir.
               Trauer ist Sehnsucht,
               dich in den Arm zu nehmen.
               Trauer kennt keine Zeit.

   Aber dann ist Trauer auch noch das: Der Schmerz der Traurigkeit ist immer der einer
   Wertschätzung. Während in einer Depression alles wert- und sinnlos erscheint - bis dahin,
   dass schließlich weder Freude noch Trauer empfunden werden können und das Gefühl
   der Gefühllosigkeit zur Lebensmüdigkeit führt.
   Die Traurigkeit ist keine Krankheit wie die Depression, sondern eine Gefühlskraft des
   Menschen, der mit ihr so etwas wie eine Katharsis, eine Reinigung seiner Seele von all
   den meinst kleinlichen Kümmernissen des Lebens erfahren kann.


   Trauersprüche

   Traueranzeigen haben mich nach Lisann's Tod magisch angezogen. Es war und ist
   die Suche nach etwas Tröstlichem, wenn Menschen allzufrüh gestorben sind.
   Es war und ist aber auch die Gewissheit, mit diesem Schicksal nicht allein auf der
   Welt zu sein. Es ist das "geteilte Leid".
  
   Irgendwann habe ich damit begonnen, Text, Sprüche und Zitate aus Todesanzeigen,
   die mir gefallen oder gut getan haben, in einem Dokument zu sammeln, das ich euch
   gerne zur Verfügung stelle.

                Sammlung_Trauersprüche.docx

   Der Schmerz der Trauer ist immer auch der einer Wertschätzung.
   Während einer Depression erscheint alles wert- und sinnlos bis dahin,
   dass weder Freude noch Trauer empfunden werden können und das Gefühl
   der Gefühllosigkeit zur Lebensmüdigkeit führt.
   Die Traurigkeit ist keine Krankheit wie die Depression, sondern eine Gefühlskraft
   des Menschen, der mit ihr so etwas wie eine Reinigung der Seele von allen meinen
   kleinlichen Kümmernissen des Lebens erfahren kann.

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   Abschied

   Der Tod als die endgültigste Form des Abschiednehmens in menschlichen Gemeinschaften.
   Er ist ein feststehender Teil unseres Lebens.

   Es gibt im Verlauf des Lebens aber auch die "kleinen Tode", die Abschiede auf Zeit oder
   für immer. So lernen Kinder, sich von kaputten Spielsachen zu trennen, ein lieb gewonnener
   Nachbar zieht weg, wir ziehen selbst um, wechseln die Arbeitsstelle, der Kreis unserer
   Bekannten und Freunde ändert sich ...

   Wir müssen lernen, "Tode" anzunehmen, nur dann finden wir einen Weg zu uns selbst,
   der uns hilft, den Weg zu gehen, den wir gehen müssen. So gelingt es uns, ihn auch so
   zu gestalten, dass wir am Ende sagen können "Ich habe mein Leben gelebt."

               Mit dem Tod verlieren wir vieles, aber niemals die Zeit mit dir.

   Danke, Lissi, dass du im Leben 13 1/2 Jahre bei uns warst
   und nun in unseren Herzen weiterlebst.

               Den eigenen Tod stirbt man nur,
               doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.
                   Mascha Kaléko, Lyrikerin

   Wir vermissen dich so sehr.
   Dein Platz in der Familie ist nun in Gedanken und mit Bildern von dir besetzt.

               Für eine Mutter, einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft.
               Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit.

               Berthold Auerbach


   Die Ewigkeit des Lebens in Erinnerungen hat Khalil Gibran in dieses Gedicht gefasst:

               Wenn dir jemand erzählt,
               dass die Seele mit dem Körper
               zusammen stirbt und dass das,
               was einmal tot ist,
               für immer tot ist, so sage ihm:
               Die Blumen verwelken und sterben,
               aber der Same bleibt zurück
               und liegt vor uns geheimnisvoll,
               wie die Ewigkeit des Lebens.
 
   Und die Sängerin Tina Turner hat dies, inspiriert von Deepak Chopra und Rumi,
   in einem ihrer Lieder so zum Ausdruck gebracht:

                Nichts dauert ewig, niemand lebt für immer.
                Die Blume welkt und stirbt, der Winter vergeht und der Frühling.
                Umarme den Kreislauf des Lebens: Das ist die größte Liebe.


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   Vom Kommen und Gehen

   Einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters, Leonardo da Pisa, auch
   Fibonacci genannt, beschreibt das "Kommen und Gehen" auf unserer Welt so:

     Eine Generation geht und eine neue Generation kommt,
     doch die Erde bleibt für immer beständig. 
     Auch die Sonne geht auf und geht wieder unter, aber nur,
     um erneut an die Stelle zu eilen, von wo sie aufstieg.
     Der Wind zieht in Richtung Süden und dreht zurück nach Norden;
     er wirbelt ständig herum und bewegt sich doch entsprechend seinem Kreislauf.
     Alle Flüsse fließen in des Meer und doch wird das Meer nicht voll;
     denn zu den Quellen, woher die Flüsse kommen, dorthin kehren sie wieder zurück ...

     Etwas, was gemessen ist, wurde zu dem, was es sein sollte;
     und das, was getan wurde, ist das, was getan werden sollte;
     und es gibt nichts Neues unter der Sonne.

   In all diesem Kommen und Gehen, zwischen Vergangenheit und Zukunft gibt es nur das
   Eine - das Hier und Jetzt. In ihm gilt es zu leben. Speziell die Sorgen sind es, die uns zu
   schaffen machen. Ich versuche, nach diesem von mir formulierten Motto zu leben:

               Mache dir nicht mit den Sorgen von morgen das Glück von heute kaputt.
                  Joachim Wurster
                       

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   Der Abschied von einem Kind

   In einer Traueranzeige von einem verstorbenen Kind habe ich diese Zeilen gefunden:

               Manchmal verlässt und ein Kind,
               das den Ruf von drüben stärker vernommen hat,
               als die Stimme ins Leben.

               Es schließt seine Augen und taumelt davon
               wie ein Schmetterling, taumelt zurück ins Licht.
               Lässt uns allein mit den Fragen,
               ohne Antwort über den Sinn all des Begonnenen,
               das uns vollendet erscheint.
               Lässt uns zurück mit der Hoffnung,
               die sich nicht erfüllte, einer Knospe,
               die welkte, ohne je zu blühen.
 
               Aus unserem Leben bist du gegangen,
               in unseren Herzen wirst du ewig bleiben.
               Wir lieben dich und werden dich nie vergessen.

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   Jährlich an jedem zweiten Sonntag im Dezember findet der Weltgedenktag für
   verstorbene Kinder statt, um an sie zu gedenken. Um 19 Uhr wird für eine Stunde
   eine Kerze, von außen sichtbar, am Fenster aufgestellt und angezündet. Sie soll
   symbolisieren, dass verstorbene Kinder weiter in den Herzen der menschen leuchten.
   Durch die stündliche Verschiebung in den unterschiedlichen Zeitzonen ergibt sich
   bildlich eine Lichterwelle, die in 24 Stunden einmal um die ganze Erde wandert.


   Die Zeit heilt alle Wunden

   ... so heißt es im Volksmund, doch wir haben diese Zeit noch nicht gefunden.
   Ich bezweifle auch, dass solche Wunden, wie der Abschied von einem Kind,
   jemals heilen werden.
   Es ist wie mit einer Behinderung, die als Folge einer Verwundung entstanden ist.
   Sie schränkt uns im Leben ein: Das befreite Lachen fällt schwer, das unbeschwerte
   Glück gibt es nicht mehr.
   Mein Motto ist deshalb, die vielen kleinen Glücksmomente zu sammeln und
   anzuhäufen, dass es wieder einen ganz ordentliches Häufchen wird. :o)

               Die Welt ist voll von kleinen Freuden,
               die Kunst besteht nur darin, sie zu sehen,
               ein Auge dafür zu haben.
                   Li Tai Phe


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   Trost finden

   ... können wir nur in uns selbst.
   Jeder Abschied schickt uns auf eine neue Reise in uns selbst.
   Es gibt Techniken der "inneren Programmierung", die aber verstandesmäßig funktionieren.
   Bei unseren Emotionen sind sie wirkungslos. Dennoch ist es gut, immer wieder an die
   Momente zu denken, die uns damals ein Lachen beschert haben und es heute noch tun.

               Weinet nicht, weil es vorbei ist, lacht, weil es schön war.

   Die innere Einstellung zu etwas macht es aus, was wir sind und was wir werden.
   Sie wird in ihrer Basis von unserer genetischen und erzieherischen Prägung geformt
   und im Hier und Jetzt von unseren Gedanken, die wir zulassen.

               Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
               Ich bin ich, ihr seid ihr.

               Das, was ich für dich war, bin ich immer noch.

               Gib mir den Namen,

               den du mir immer gegeben hast.

               Sprich mit mir, wie du es immer getan hast.

               Gebrauche nicht eine andere Lebensweise.

               Sei nicht feierlich oder traurig.

               Lache weiterhin über das,

               worüber wir gemeinsam gelacht haben.

               Ich bin nicht weit weg,

               ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.

                   Fritz Reuter (1810 - 1874)

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   Dankbarkeit

               Dankbar zu sein gibt dem Abschied einen goldenen Glanz.

   Dankbarkeit für etwas, was mal war, kann die Trauer mildern.
   Sie entsteht nicht mit der ewig offenen Frage nach dem "Warum?", nicht in die Suche
   nach dem, was man hätte tun sollen oder was man versäumt hat.
   Sie wächst in einem bewussten Rückblick
auf die guten, schönen Zeiten und Erlebnisse,
   die uns niemand mehr nehmen kann.
   Und sie erwächst aus dem dankbaren, erfüllten Loslassen und dem in sich selbst geklärten
   Verzeihen alles Unguten, aller Verletzungen.
   Tja, und dann ist da noch das Loslassen in Dankbarkeit für das Gewesene, wenn es keine
   Fortsetzung mehr gibt.

     Ich bin dankbar ...

     - für die Steuern, die ich zahle, weil das bedeutet: ich habe Arbeit und Einkommen.
     - für die Hose, die ein bisschen zu eng sitzt, weil das bedeutet: Ich habe genug zu essen.
     - für das Durcheinander nach der Feier, das ich aufräumen muss, weil das bedeutet:
        Ich war von lieben Menschen umgeben.
     - für den Rasen, der gemäht, die Fenster, die geputzt werden müssen, weil das bedeutet:
        Ich habe einen Zuhause.
     - für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet:
        Wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung.
     - für die Parklücke ganz hinten in der äußersten Ecke des Parkplatzes, weil das bedeutet:
        Ich kann mir ein Auto leisten.
     - für die Frau in der Gemeinde, die hinter mir sitzt und falsch sind, weil das bedeutet,
        dass ich gut hören kann.
     - für die Wäsche und den Bügelberg, weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe.
     - für die Müdigkeit und die schmerzenden Muskeln am Ende des Tages, weil das          
        bedeutet: Ich bin fähig hart zu arbeiten.
     - für den Wecker, der morgens klingelt, weil das bedeutet: Mir wird heute ein neuer Tag geschenkt.

     Wofür bist du dankbar?

                             
       Detlef Kranzmann, gefunden im Freundesbrief der Schwäbischen Bauernschule Bad Waldsee


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   Was hilft?

   Wir müssen mit der Traurigkeit "leben lernen", die uns befällt, wenn jemand Vertrautes,
   den wir lieben, uns verlässt. So einfach das klingt, so schwer ist es in der Umsetzung.
   Jeder Abschied kann ein Anfang sein. Das zu erkennen und damit umgehen, das kann
   man lernen!
  
   Zudem stelle mir immer wieder die Frage Was ist das Gute am Schlechten?
   Darüber hinaus helfen weitere Fragen, wie diese:
  • Was kann ich rückblickend Positives daran entdecken?
  • Was könnte ich aus der Situation für mich lernen?
  • Was kann ich jetzt tun, was ich sonst vielleicht nie tun würde bzw. nie getan hätte?
  • Wie könnte mein zukünftiger Lebensweg aussehen, was ich bisher nicht für möglich gehalten hätte?
  • Wenn ein mir nahestehender Mensch auf meine Situation blicken würde, was würde er Positives entdecken können?
  • Welche Möglichkeiten bietet mir "das Gute am Schlechten"?
   Die Antwort gibt mir das weitere Tun im Sinne von Lisann und im Sammeln von Spenden.
   Daran kann ich mich ausrichten, in der Spur bleiben, wenn ich strauchle und mich aufrichten,
   wenn ich falle.
   

   Und dann gibt es ja auch noch die Hoffnung, die ja zuletzt stirbt.
   Wir dürfen berechtigt hoffen und wünschen, dass uns das Leben wieder etwas Gutes tut
   ... und wenn es nur "dem Sinnlosen einen (nachträglichen) Sinn gibt".

               Hoffnung ist nicht die Überzeugung,
               dass etwas gut ausgeht,
               sondern die Gewissheit,
               dass etwas Sinn hat,
               egal wie es ausgeht.

                     Eine_Geschichte_von_der_Traurigkeit.pdf         

   Zu guter Letzt müssen wir uns immer wieder bewusst machen, dass die Welt, in der
   wir leben täglich genügend Gutes und Schönes bereit hält, wir müssen es nur erkennen,
   wahrnehmen unter all den vielen Eindrücken und negativen Ablenkungen. Deshalb:
   Immer Augen und Ohren auf, damit du das Gute und Schöne dieser Welt nicht übersiehst!


               The world is music for those who listen.
                   Von unserer Neuseeland-Reise Januar 2010


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